Culinary Medicine startet erstmals als Wahlfach an der Universitätsmedizin Göttingen

Bildquelle: Dr. Rainer Wild-Stiftung

 

Innovation für das Medizinstudium: Das Institut für Ernährungspsychologie an der Georg-August-Universität Göttingen startet in Kooperation mit CookUOS e.V. das neue Wahlfach Culinary Medicine. Es kombiniert Lerninhalte aus Medizin, Ernährungswissenschaft und Diätetik mit praktischer Kulinarik. Mit diesem innovativen Ansatz soll der neueste Forschungsstand der Ernährungsmedizin in die Lebenswelten von Menschen in ärztlicher Behandlung übersetzt werden, um so dem rapide ansteigenden Bedarf nach ernährungsmedizinischer Beratung bzw. Therapie Rechnung zu tragen.

Aktuell fehlen an fast allen Universitäten Deutschlands ernährungsbezogene Inhalte im Medizinstudium, was sich auch auf die ärztliche Versorgung von Patientinnen und Patienten in Klinik und Praxis auswirkt. Im neu entwickelten Wahlfach Culinary Medicine erlernen Studierende der Humanmedizin in praktischen Kochkursen zum einen die Grundlagen klinischer Ernährung, zum anderen erwerben sie gleichzeitig und anhand attraktiver Rezepte Einblicke in die Lebensmittelkunde. Im Erleben und Ausprobieren von Kochfertigkeiten erfahren Studierende wichtige Voraussetzungen für die genussvolle Gestaltung von Mahlzeiten. Ziel ist letztlich, dass sich die eigenen Erfahrungen angehender Ärztinnen und Ärzten positiv auf die Beratung und Behandlung von Patientinnen und Patienten im späteren Berufsalltag auswirken.

Der zukunftsweisende Ansatz basiert auf der Tatsache, dass Ärztinnen und Ärzte als vertrauenswürdigste Quelle für Gesundheitsinformationen angesehen werden. In der Regel wenden sich daher Patientinnen und Patienten mit Fragen zur Ernährung an sie, jedoch fehlen diesen vielerorts die vorbereitenden Lerninhalte. Studien aus den USA zeigten bereits, dass Menschen in ärztlicher Behandlung von denjenigen Ärztinnen und Ärzten die zuvor einen speziellen Kochkurs in Culinary Medicine absolviert hatten, im Vergleich wesentlich häufiger und besser zu ernährungsmedizinischen Themen beraten wurden als von jenen, die an diesen Kursen nicht teilnahmen.

In den USA bieten bereits über 50 Universitäten das Wahlfach Culinary Medicine im Rahmen des Medizinstudiums an. Die Universitätsmedizin Göttingen ist die erste Universität in Deutschland, die gemeinsam mit den kooperierenden Partnerorganisationen das neue Fach in Form eines Pilotkurses im Sommersemester 2020 und Wintersemester 2020/21 anbieten wird. Die Pilotierung und Evaluation werden von der Rut- und Klaus-Bahlsen-Stiftung gefördert.

Die Entwicklung des Curriculums Culinary Medicine wird von PD Dr. med. Thomas Ellrott (Institut für Ernährungspsychologie an der Georg-August-Universität Göttingen, Universitätsmedizin) und Uwe Neumann (CookUOS e.V., Osnabrück) geleitet und durch die Dr. Rainer Wild-Stiftung unterstützt. Zum interdisziplinären Konzeptionsteam gehören außerdem Dr. Silke Lichtenstein, Jana Dreyer, Jana Steindl, Birgit Ellrott (Cook-and-taste-it, Göttingen), Laura Antonia Drösch und Louisa Schonebeck (beide Universitätsmedizin Göttingen).

Das Stiftungsteam hat seine Expertise in die Konzeption der Lerninhalte des Curriculums und die korrespondierenden Rezepte eingebracht. Mitarbeiterinnen der Dr. Rainer Wild-Stiftung werden das Kursangebot und die wissenschaftliche Evaluation an der Universitätsmedizin Göttingen im Rahmen von Promotionsverfahren begleiten.

Grundlage des Curriculums Culinary Medicine ist das Ende 2019 vorgestellte und für Ernährungsmedizin und Diätetik richtungsweisende Konsensuspapier Leitfaden Ernährungstherapie in Klinik und Praxis (LEKuP).

 

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