Genuss
Genießen ist ein sinnliches Phänomen, bei dem man sich auf ein lustvolles Erleben einlässt. Durch den gesteuerten Umgang mit Lust – einer notwendigen Bedingung für Genuss – entsteht aus Lust Genuss. Im Gegensatz zum Süchtigen kann der Genießer Bedürfnisse und Wünsche derart kontrollieren, dass er sie nicht unbedingt sofort befriedigen muss, sondern auch aufschieben kann. Vom einfachen Konsumieren grenzt sich der Genuss durch den bewussten und maßvollen Umgang mit angenehmen Dingen ab.
Beim Essen steht für viele Menschen der Genuss im Vordergrund. Der überwiegende Teil der Bevölkerung Deutschlands schätzt sich selbst als Genießer ein. Dem gegenüber steht die Ernährung, die häufig mit der Qualität der Nahrung bzw. den physischen Bedürfnissen des Menschen verbunden wird. Die Ernährung hat mit der nährstoff- und funktionsbetonten Ernährungsaufklärung einen rationalen, genussfeindlichen Beigeschmack bekommen und wird deshalb vielfach mit Verzicht, Kontrolle, Disziplin und schlechtem Gewissen verbunden. Der Genuss bleibt außen vor.
Auch bei einer Reihe von psychisch erkrankten Menschen, wie z.B. Depressiven, Alkoholikern oder Essgestörten, ist die Genussfähigkeit sehr eingeschränkt. Genießen kann aber (wieder) erlernt werden. Ein spezielles Genusstraining kann dann Bestandteil von psychotherapeutischen – besonders verhaltenstherapeutischen – Behandlungsprogrammen sein.
Die Dr. Rainer Wild-Stiftung nimmt die Bedeutung von Genuss für den essenden Menschen sehr ernst. Sie will mit ihrer Arbeit dazu beitragen, dass Gesundheit und Genuss in Einklang gebracht werden. Denn langfristig lebt nur in einem gesunden Körper auch ein genussfähiger Geist.
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