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Esskultur im Alltag

Essen ist ein vielfältiger Prozess. Verhaltensweisen und Handlungsmuster werden gerade in Kindheit und Jugend übernommen und geprägt. Die Schule hat einen wichtigen Anteil an dieser Entwicklung. Sie nimmt jedoch die damit verbundenen Herausforderungen nicht immer wahr. Vielmehr dominiert beim Thema Essen immer noch die Wissensvermittlung rein naturwissenschaftlicher „Tatsachen". Zunehmend zeichnet sich jedoch ab, dass sich verändernde gesellschaftliche Werte und Normen auch neue Ansätze in der Ernährungsbildung bzw. -erziehung verlangen.

Um einen Beitrag zu leisten, der den genannten Anforderungen gerecht wird, hat Prof. Dr. Barbara Methfessel 1993 das Projekt "Esskultur im Alltag" an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg ins Leben gerufen. Das Projekt wird seither von der Dr. Rainer Wild-Stiftung unterstützt.Ziel des Projektes ist es, inhaltliche und methodische Alternativen zu bisher vorherrschenden Konzepten der Ernährungserziehung zu bieten. Neue Konzepte sollen daher alltagsgerecht, verhaltensrelevant und zeitgemäß sein. Mit anderen Worten: diese sollen auf der einen Seite die individuellen Bedürfnisse und Interessen der Kinder und Jugendlichen berücksichtigen und auf der anderen Seite in der Gestaltung des Lehr-Lern-Verhältnisses den Anforderungen des gesellschaftlichen Wandels (v. a. der zunehmenden Eigenverantwortlichkeit) Rechnung tragen. Ziel solcher Konzepte ist es auch, im Rahmen eines dialog-orientierten Unterrichts neue Wege zur Reflexion des eigenen Ernährungsverhaltens aufzuzeigen sowie dessen Hintergründe zu beleuchten.

Durch das Einbringen von Erfahrungswerten, der Berücksichtigung des gesellschaftlichen Wandels und der Erweiterung des wissenschaftlichen Diskurses kann das Thema "Essen" bzw. "Ernährung" reflektiert und neu bewertet werden.  Für den fachdidaktischen Rahmen werden Ergebnisse der Jugend- und Gesundheitsforschung, der gesellschafts- bzw. kulturwissenschaftlichen Ernährungsforschung und der Diskussion um die Relevanz kognitiver Theorien analysiert, diskutiert und gegebenenfalls adaptiert. Weitere Grundlage ist die Evaluation von Lehr-Lern-Prozessen im Rahmen der Aus- und Fortbildung von Lehrern. Im Rahmen des Projektes "Esskultur im Alltag" finden daher immer wieder Workshops, Tagungen und Vorträge statt, die sich an Fachleute in der Ernährungserziehung richten. Die Veranstaltungen werden dabei teilweise als Kooperationsveranstaltung mit anderen Institutionen durchgeführt.

Erfahrungen zeigen, dass bisherige Bemühungen im Hinblick auf die Vermittlung gesunder Ernährung oft fruchtlos geblieben sind. Dies ist u. a. auch auf die Tatsache zurückzuführen, dass häufig eine Diskrepanz besteht zwischen den Interessen von Schülern und dem Bemühen von Lehrern Wissen zu vermitteln. Hier ist ein zentraler Punkt, dass Kinder und Jugendliche aufgrund des gesellschaftlichen Wandels in immer stärkerem Maße (mit)bestimmen, was sie essen und was nicht. Diese Veränderungen müssen ebenso in Ernährungskonzepte mit einbezogen werden wie weitere Aspekte des gesellschaftlichen Wandels: Produktion, Markt und Verbrauch von Lebensmitteln; Verlust von Esstraditionen bzw. neue Ernährungsgewohnheiten, um nur einige Punkte zu nennen.

Weiter zu der Fortbildungstagung "Ernährungskonzepte in der Diskussion - Neues Wissen, neue Ideologien?"- 03/2005
Weiter zum Workshop "Salutogenese und Ernährungsbildung" - 03/2001

 
Dr. Rainer Wild-Stiftung • Mittelgewannweg 10 D-69123 Heidelberg • Telefon +49-(0)6221-7511 200 • Telefax +49-(0)6221-7511 240